Planet Carlos

Carlos, 13 Jahre alt, lebt im Barrio, einer Hüttensiedlung am Rande von Léon - der zweitgrößten Stadt Nicaraguas. In einer Gigantonagruppe, die vor Touristen auftritt, verdient er sein Geld. In solchen traditionellen Gruppen werden Tanz, Theater und Verse von Kindern vorgetragen. Die zwei Meter große Gigantonapuppe wird vom Enano, einem kleinen Mann mit großem Kopf, umtanzt, begleitet von wilden Trommelwirbeln. Carlos tanzt den Enano, die ältere Isabel gibt den Rhythmus an. Carlos hat jedoch genug vom schweißtreibenden Herumhüpfen, viel lieber würde er der Verseaufsager sein. Es kommt deshalb zum Streit und Carlos wird aus der Gruppe geworfen. Das einzige, was er retten kann, ist der beschädigte Kostümkopf des Enanos. Als seine Mutter von seinem Rauswurf erfährt, schickt sie Carlos kurzerhand auf den Markt, um dort als Bananenträger Geld zu verdienen.Gegen alle Widerstände gelingt es Carlos, seine eigene Gigantonagruppe zu gründen, in der er der Verseaufsager ist. Kumpels vom Markt machen mit und auch Isabel stößt zu der Gruppe. Gemeinsam reparieren sie den kaputten Enanokopf und bauen improvisierte Requisiten. Der harte Alltag der Jugendlichen lässt wenig Zeit für die Kunst. Die Ergebnisse befriedigen Carlos nicht. Um die Existenz seiner Gigantonagruppe zu sichern, bemüht er sich bei einem alten Dichter um ein ausländisches Stipendium. Sein grenzenloser Optimismus wird auf eine harte Probe gestellt, als klar wird, dass kein Stipendium zu erwarten ist. Seine Mitstreiter lassen ihn daraufhin im Stich. Mit der Gigantonagruppe ist es vorbei. In seiner Enttäuschung flüchtet Carlos mit Isabel, seiner kleinen Schwester Kenia und deren Huhn an einen Strand. Dort sieht er sich der größten Herausforderung seines Lebens gegenüber - Verantwortung.

Cast

Carlos: Mario José Chavez Chavez
Isabel: Katherine Mercedes Molina Zelaya
Kenia: Cristel Sofia Sanchez Hernandez
Erwin: Wiston Antonio Florez Mendéz

Produktionsnotiz

Für seinen ersten Langspielfilm ist Andreas Kannengiesser, Regiestudent an der HFF Potsdam-Babelsberg, mit einem Team von Kommilitonen nach Léon, Nicaragua, gereist. Die Produktion startete nicht mit einem fertigen Drehbuch, sondern die Geschichte entstand vor Ort. Dem Drehbuch liegen zahlreiche Gespräche und Begegnungen zugrunde, sowie die Erfahrungen und Erlebnisse der Kinder, mit denen Andreas Kannengiesser und die Drehbuchautorin Catrin Lüth zuvor in zwei Workshops gearbeitet haben. Die Stoffentwicklung stand bis zur letzten Einstellung in ständiger Wechselwirkung mit der Wirklichkeit. Die Authentizität der Geschichte speist sich aus dem offenen Charakter des Projektes: Es wurde an Originalschauplätzen und mit Laiendarstellen gedreht. Die deutschen Teammitglieder sind - bis auf den Kameraassistenten Facundo Altube - Studenten der HFF. In Nicaragua stießen nicht nur die erfahrene Maskenbildnerin Lleana del Socorro Bodan und der Regieassisten Carlos Mejia zu dem Team, sondern auch junge Menschen, die keinerlei Erfahrungen im Film mitbrachten. Wiston Antonio Florez Mendéz z.B. arbeitet auf dem Markt und war das erste Teammitglied in der Drehvorbereitung vor Ort. Im Film spielt er die Rolle ERWIN.
Planet Carlos wurde im Wettbewerb des Tokyo International Film Festival 2008 uraufgeführt. Die deutsche Premiere erfolgte beim Filmfest Hamburg 2008. Der Film darf wegen ungeklärter Musikrechte nicht kommerziell ausgewertet werden, ist aber über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Verleih der Landes-/Kreis-/Stadtbildstellen und -medienzentren für Bildungszwecke erhältlich.

...eine geniale Mischung aus Dokumentation und Improvisation mit Laiendarstellern...

- ZITTY

An extraordinary film with a performance of a young boy, you will never forget. I love it. See it.

- Jon Voight, Actor, President of the Jury, Tokyo International Filmfestival 2008